Alex Ruoff im Interview

26.03.2015

Der Artikel - jetzt auch hier auf der Veilchen-Power e.V. Internetseite zum Lesen. (Quelle: http://courtreview.de)

Alex Ruoff im Interview: “Ruoff ist heute zehnmal besser als letztes Jahr!” (Johan Roijakkers)

Alex Ruoff. Im Hintergrund Coach Johan Roijakkers.

Nächster Streich in unserer Interview-Serie mit den Spielern des Veilchen-Teams. #7 Alex Ruoff, aka “der Hundefreund” ist einer der stärksten Performer der letzten Wochen. Insider mögen Ungemach wittern, wir vorher auch ein wenig, ist doch eine Hälfte des Interviewer-Duos als mitunter leidenschaftlicher Ruoff-Kritiker bekannt. Aber nicht einfach so, sondern aus enttäuschter Zuneigung, hält er ihn doch für einen der begabtesten Spieler der ganzen Liga, der das aber (zu) selten zeige.
Beim Gespräch auf der sonnigen Außenterasse des Fellini, wo der gute Geist von Marco Grimaldi über uns schwebt, lösen sich alle zuvor befürchteten Animositäten umgehend  in einer ruhigen, sachlichen und mehr und mehr von Sympathie geprägten Atmosphäre auf. Ruoff überzeugt uns durch sein zugängliches und gelöstes Auftreten, er beantwortet unsere Fragen mit ernsthaftem Interesse und liefert souverän druckreif  formulierte Antworten. Wir hatten Spaß …… hoffentlich Ihr auch!


Court Review: Du hast neulich einen guten Witz getwittert: „You think your day was bad, someone lost to the Knicks tonight. End of joke.“ Hast du noch mehr davon?

Alex Ruoff: Nein. Ich weiß nicht. Twitter ist was es ist. Es kann alles sein was du willst. Du kannst da Witze machen, Botschaften verschicken, über Politik reden…. Manchmal bin ich etwas zu lustig auf Twitter. Wenn einer drüber lächelt, ist es das.

Joe Herber hat letztes Jahr ein Buch geschrieben. Er berichtet ausführlich, wie sehr ihn die vier Jahre am College als Mensch und Spieler geprägt haben. 2006/ 2007 habt ihr ein Jahr gemeinsam für West-Virginia gespielt. Was hat es mit dieser starken Bindung an das College auf sich?

Das Alter von 18-20 ist eine wichtige Entwicklungsphase in deinem Leben. Zum einen für deine Persönlichkeit, zum anderen für deine professionelle Karriere als Basketballspieler. Du wirst zwar nicht bezahlt, aber du erhältst eine schulische Ausbildung. Es ist sehr emotional für eine Universität zu spielen und es macht stolz, besonders wenn du aus der Gegend kommst. West Virginia ist ein spezieller Staat und eine spezielle Universität, weil es die einzige große Universität in dem Staat ist. In Marshall gibt es noch eine kleine Universität, aber hauptsächlich ist es West Virginia. Der gesamte Staat ist dein Fan. In North Carolina gibt es 100 Universitäten! Da ist es mit den Fanlagern ganz anders. Du hast das Gefühl für alle Menschen in ganz West Virginia zu spielen. Wir sind eine große Familie. Einmal ein Mountaineer, immer ein Mountaineer.

Hier ist es auch ganz einfach: Einmal ein lila Spieler, immer ein lila Spieler!

Yeah! Very simple….

In diesem sehenswerten Interview aus dem Jahr 2011 gewährt Alex sehr private Einblicke. Das Thema des Gesprächs lautet “Verantwortung”. Es gibt Spielausschnitte und Familienfotos zu sehen.

Leider kommst du in Herbers Buch nicht vor. Es war dein Freshman-Jahr. Erst danach hast du dort Geschichte geschrieben. Du bist der beste Dreierschütze von West-Virginia. Du hast diverse Auszeichnungen bekommen, bist in Allstar-Teams gewählt worden. Was bedeuten dir diese Rekorde und Auszeichnungen?

In der Zeit, wo du diese Titel erreichst, kannst du stolz darauf sein. Es ist eine Anerkennung für deine harte Arbeit. Danach ist es einfach nur eine Auszeichnung, du gehst weiter. Ich laufe nicht herum und trage meine sechs Jahre alten College-Awards vor mir her. Es hatte seine Zeit.

War es für dich immer schon klar, dass du Basketballprofi werden willst?

Eigentlich nicht. Es war überhaupt nicht klar. Ich bin zur Universität gegangen, um Lehrer zu werden. Ich komme aus einer Lehrerfamilie. Ich habe meinen Abschluss in Geschichte gemacht. Ich habe aber auch hart daran gearbeitet ein guter College-Basketballspieler zu werden und dabei gemerkt, dass ich Profi werden könnte.

Es ist nicht einfach sein Geld mit Basketball zu verdienen. Kevin Pittsnogle war in deiner Zeit der Star in West Virginia und er hat es nicht geschafft. Du bist in Europa gelandet und warst in Belgien sofort erfolgreich. Wie hast du diesen Übergang zum Profisein erlebt?

Der Übergang zum Profibasketballer in Übersee ist für jeden sehr schwierig. Am College stehst du im Scheinwerferlicht und alle kennen deinen Namen und dann kommst du ins Ausland. Vielleicht bist du allein, du sprichst nicht die Sprache, du kannst nicht so mit den Fans und den anderen Menschen interagieren. In der ersten Saison bist du oft sehr isoliert. Das erste Jahr ist schwierig. Ich meine, Kevin Pittsnogle war einige Wochen im Ausland und ist dann vorzeitig zurück. Für alle ist das eine harte Umstellung. Wir nennen es „the rookie face“. Wenn du das „rookie face“ nicht bekommst und einfach raus gehst, kann du hier sehr glücklich sein. Es ist alles eine Frage der Einstellung. Wenn du hier rüber kommst und Amerika vermisst, ist das die falsche Einstellung. Wenn du hier her kommst, das Leben genießt und dich mit der anderen Kultur auseinandersetzt, dann ist das Glück deins.

Glück. Ein anders Stichwort ist Geld: Der Wert des Euros sinkt kontinuierlich. Wie hart trifft das die US-Spieler? Glaubst du, dass das Auswirkungen auf den Spielermarkt haben wird?

Die amerikanischen Spieler in Europa haben verschiedene Verträge. Die einen werden mit Euros bezahlt, die anderen mit US-Dollar. Letztere sind geschützt und haben Glück. Bei den anderen sinkt das Gehalt. Trauriges Thema. Es ist wie es ist. So ist das Leben. Da kann man nichts machen. Es lohnt sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen, was außerhalb deiner Kontrolle ist.

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Wo ist der Ball?

Du wirst also in Euro bezahlt?

Ich werde in Euros bezahlt, yes sir.

Du bist seit fünf Jahren in Europa. Offenbar hast du dir hier ein großes Netzwerk mit Freunden und Bekannten aufgebaut. Du reist herum, schaust dir Städte an, triffst Leute in Belgien, der Slowakei, in Tschechien und natürlich in Deutschland. Freunde sind dir wichtig, oder?

Ja! Sehr wichtig! Durch den Basketball habe ich viele großartige Menschen kennen gelernt. Ich bin dafür sehr dankbar. In Belgien habe ich 2 1/2 Jahre für die Akapi Aalstars gespielt. Einige meiner besten Freunde fürs Leben kommen aus dieser Zeit. Viele sind jetzt überall in der Welt verstreut, aber wir halten Kontakt zueinander. Wenn wir von den Vor- und Nachteilen reden in Übersee Basketball zu spielen, gehört zu den ersten Pro-Punkten: Eine andere Kultur erkunden und neue Menschen kennen lernen. Es erweitert deinen Horizont enorm.

Du machst bei deinen Heimflügen meistens Zwischenstops und fliegst z.B. ab Amsterdam.

Ich versuche so viel zu sehen und so viele Freunde zu treffen, wie ich kann. Ich weiß nicht, wie lange ich noch Basketball spielen kann. Es gibt keine Garantien, dass ich noch 10 Jahre spielen kann.

Du bist also keiner dieser typischen Playstation-Stubenhocker?

Nein, ich spiele so etwas überhaupt nicht. Ich bin kein Videogamer. Ich hatte auch als Kind nie eine eigene Konsole. Manchmal ist es vielleicht nicht schlecht, um Zeit zu überbrücken.

Wo bleibt eigentlich dein Hund, deine kleine Boxerdame, wenn du so viel unterwegs bist?

Bei unserem Teammanager Kai (Winkler) und seiner Familie. Kai ist ein guter Freund von mir. Er hat eine wundervolle Tochter. Sie und mein Hund Maya mögen sich sehr.

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Wie sieht dein perfekter trainingsfreier Montag nach einem Spiel aus?

Perfect Monday…. am besten bin ich auf Reisen, sehe eine andere tolle Stadt. Ich schaue mir gerne alte Gebäude und Kirchen an. Wenn ich nach einem Spiel dafür zu kaputt bin und mich nur entspannen will, rufe ich einen Freund an und wir gehen zusammen fischen. Hängt natürlich auch alles vom Wetter ab.

Bei Regen gehst du lieber in den Baumarkt. Bist du etwa ein Heimwerker?

Nein, ich würde mich selbst nicht so nennen. Mir wurde es nie beigebracht mit Werkzeugen und diesen Dingen umzugehen, aber ich arbeite gerne damit.

Ah… du bist ein Lernender.

Ja, ich bin ein Lernender. Ich versuche mir die Sachen selber beizubringen. Ich liebe einfach diesen Laden! Es gibt dort so viele Möglichkeiten, so viele Projekte, die du übernehmen kannst! Du kannst da so leicht ein Hobby finden. Ich liebe es diesen Laden in der Stadt zu haben!

Pass aber auf deine Finger auf! Die brauchst du noch!

Ja, ich passe auf meine Finger auf.

Dein Coach scheint ein Workholic zu sein. 24 Stunden Basketball. In deinem Leben gibt es noch andere Sachen. Schon mal daran gedacht, ihn mit zum Fischen zu nehmen?

Ich würde definitiv mit ihm ein paar Tage fischen gehen. Ich weiß nicht, ob er auch ein Angler ist. Wir haben darüber noch nicht gesprochen. Er ist sehr engagiert. Ich liebe sein Engagement! Manchmal mögen Fans vielleicht finden, dass es zuviel ist, aber ich denke, wir profitieren sehr davon, wie sehr er das Spiel liebt und wie viel er arbeitet. Ich bin damit einverstanden, dass er ein 24-Stunden-Workoholic ist. Das hilft uns nur.

(c) Sabine Klar2015-0030

Wir sind damit auch einverstanden, aber es ist übermenschlich!

Vielleicht nimmt er sich auch mal einen Tag und macht etwas weniger, geht zu seiner Familie oder so. Im Moment ist er mit dem Basketball verheiratet. Es ist zur Zeit das wichtigste im Leben. Er liebt Basketball und somit ist es OK, das was man liebt 24 Stunden am Tag zu tun. Jeder von uns kennt sein Engagement. Er legt mit seinem Vorbild die Latte für uns Spieler sehr hoch.

2013 einen Schritt zurückzugehen, um im nächsten Jahr zwei Schritte vorwärts zu machen − War das der Plan als du für kleines Geld nach Göttingen in die ProA gewechselt bist?

Ja, das war der Plan. Ich hatte vorher noch nie etwas von Göttingen gehört. Es wurde mir als ein gutes Team in der ProA vorgestellt, das höher kommen will und das eine gute Chance dazu hat.

Tja, der Plan ist aufgegangen.

Der Plan ist perfekt aufgegangen!