David Godbold im Interview

04.02.2015

Der Artikel - jetzt auch hier auf der Veilchen-Power e.V. Internetseite zum Lesen. (Quelle: http://courtreview.de)

David Godbold im Interview:
„I dont need so much praise. Winning is what I am looking for“

(c) Sabine Klar2015-3519

Beim Sieg gegen Frankfurt ist David Godbold Mann des Spiels. Er macht 15 Punkte (vier Dreier) und holt neun Rebounds. Dazu kommen noch zwei Assists und drei Steals. Kommentator Stefan Koch ist zum wiederholten Male begeistert und beklagt, dass der Kapitän der BG Göttingen der „unsung hero“ sei und in den Medien viel zu wenig Aufmerksamkeit bekomme. In den ganzen Medien? Nein! Zwei fleißige Blogger hatten sich in der Vorwoche mit „Mr.-a-little-bit-of-everything“ zum Gespräch getroffen. Der von ihm gewählte Treffpunkt war das italienische Restaurant seines Amtsvorgängers Marco Grimaldi.


Wir haben eben Marco getroffen. Er würde gerne zu den Playoffs wieder kommen. Geht das klar?

David Godbold: Das wäre super („sweet“). Es ist immer gut, wenn Marco hier ist. Er hat uns heute auch im Training besucht. Er bringt uns einen guten Spirit. Er ist immer positiv.

Der TV-Kommentator Michael Koch bezeichnete dich im Dezember als „unsung hero“. „I love Godbold“ ist eines der Zitate von Coach Roijakkers aus der letzten Saison. „David war immer unser Anführer auf und neben dem Platz und hat immer große Spiele gemacht, wenn wir sie brauchten.“ ist ein anderes. Freust du dich über diese öffentliche Anerkennung? Könnte es mehr sein oder bist du ganz gerne im Hintergrund?

Ich schätze das wirklich, aber ich gehe nicht raus um gepriesen zu werden. Ich gehe raus, um sicher zu stellen, dass mein Team erfolgreich ist. Dafür möchte ich anerkannt werden. Solange mein Team erfolgreich ist und ich meinen Teil dazu beitrage, bin ich glücklich. Wenn wir verlieren, habe ich das Gefühl, dass ich nicht genug getan habe. Ich brauche nicht so viel Lob. Gewinnen ist das, was mir wichtig ist.

David Godbold BG Göttingen

Viele sehen nur wieviel Punkte jemand macht.

Ja. Das ist verständlich. Manchmal wird nur von den Punkten geredet, aber dir muss klar sein, es kann an einem Abend nicht jeder 20 Punkte machen. Manchmal bist du an der Reihe, manchmal ein anderer. Was auch immer es braucht um zu gewinnen, ist das wonach ich schaue. Manchmal ist es das Beste für das Team, wenn ich eine kleine Rolle spiele. Wenn mein Team mich als Scorer braucht, dann tue ich das. Was immer das Team braucht!

WIR wissen das! Wir wollen hier den Heldengesang anstimmen.

(lacht)

Mit unseren letzten drei Interviewpartnern haben wir jeweils über all ihre Stärken gesprochen. Mit dir können wir das leider nicht machen. Das Fellini schließt um Mitternacht. Hilf uns bitte! Was kann David Godbold überhaupt nicht? Wo muss er sagen: Sorry Coach. Bitte! Das ist zu viel! Den Job kann ich nicht auch noch erledigen!

Ich spiele schon so lange Basketball, dass es für mich leicht ist „a l little bit of everything“ zu geben. Ich glaube, dass ich keine großen Schwachpunkte habe. Es gibt nichts, was ich gar nicht kann. Für mich ist es normal, da zu helfen, wo es nötig ist. Mir fällt das leicht.

Du versuchst jeden Job zu machen.

Ich erledige jeden Job! Wenn du viele Jobs erledigst, ist das sehr befriedigend und abwechslungsreich. Mir mach das Spaß! Wenn du immer nur eine Sache machst, ist das nicht so interessant, als wenn du vielseitig bist und viele Sachen machst.

Was bist du eigentlich? Ein Guard, der auch unter dem Korb agiert oder ein Power Forward mit Spielmacher-Qualitäten? Effektiv verteidigen kannst du alles unter 7feet.

Meine defensiven Fähigkeiten habe ich auf dem College gelernt. In der Highschool brauchte ich nur zu scoren. Ich musste lernen, dass Scoren für den Erfolg nicht alles ist. Manchmal hast du Nächte, wo deine Würfe nicht fallen, dann musst du in der Lage sein, andere Sachen zu machen. Wenn du viel Spielzeit haben möchtest, musst du verschiedene Positionen spielen können. Ich habe kein Problem damit 7-Footer zu verteidigen. Ich versuche alle Positionen zu spielen! Wenn jemand sagt, spiel die Fünf, dann spiel die Fünf! Das ist das, was ich auch Kindern im Sommer lehre. Sag nicht, dass du nur Point Guard spielen willst. Versuch ein bisschen von allem zu spielen!

Wen unterichtest du?

Ich arbeite mit Kindern in Sommercamps in Oklahoma. Ich bringe ihnen bei, dass sie sich wichtiger fühlen werden, wenn sie von allem etwas können. Auch ein kleiner Spieler sollte nicht immer nur die Eins trainieren, ein großer Spieler nicht automatisch nur das Insidespiel suchen. Man darf die Kinder nicht limitieren. Manche kleinen Kinder werden später noch sehr groß. Man weiß nie, was passiert. Man sollte ihnen so viele Optionen wie möglich geben. Was wäre Dirk Nowitzki, wenn er nicht dribbeln und werfen könnte?

Wir haben nach unserer Internet-Recherche den Eindruck, dass du schon immer dieser vielseitige Spielertyp warst, auch schon am College in deiner Heimat Oklahoma City. Du hattest immer reichlich Spielzeit und ein bisschen von allem im Statistikbogen. Hast du dir bewusst diese Nische ausgesucht oder hat sich das ergeben?

Mein College-Coach hat mir gesagt: Wenn du spielen willst, dann verteidige gut, denn darauf schaue ich zuerst. Wenn du gute Defense spielst, kommt die Offense von alleine. Ich score gerne, aber dein Coach lässt dich länger auf dem Feld, wenn du an beiden Seiten des Feldes gute Sachen machst.

 

Dein Start als Profi war trotz deiner erfolgreichen College-Karriere bei einem guten College − einer deiner Mitspieler in Oklahoma war Blake Griffin − holprig. Du fandest nicht sofort etwas und hast dann ab 2009 in Europa in Polen, Finnland und der Slowakei gespielt. In der letzten Saison bist du dann nach Göttingen in die ProA gewechselt. Du musstest also 29 Jahre alt werden, um es in eine der besseren Ligen Europas zu schaffen. Wie kommt das?

Der erste Teil meiner Karriere führte mich 2008/2009 in die NBA D-League. Da lernte ich, dass dir nicht alles geschenkt wird, egal wie gut du bist. Wenn jemand anderes eine Rolle besser ausfüllt, bekommt der die Rolle. Ich habe es dann nicht in das Team geschafft, in das ich wollte. Der Schritt nach Europa ermöglichte mir meinen Basketball-Beruf auszuüben und die Welt zu sehen. Heimweh ist kein Problem für mich. Meine Familie und ich besuchen uns oft. In Polen lief manches gut, manches schlecht. Ich hatte dann eine gute Saison in der Slowakei. Wir sind dort Meister geworden. Es ist ein langer Weg. Deutschland ist eines der besten Länder in Europa um dort zu leben und Basketball zu spielen.

29 ist alt, wenn du in der NBA bist. Europäische Spieler können etwas länger spielen, weil das Spiel hier nicht so schnell ist. Man kann hier auch in einem hohen Alter noch auf einem sehr hohen Level spielen und gutes Geld verdienen. So will ich es machen. Wenn du für sehr gute Teams mit sehr guten Trainern spielst, macht dies das Leben für dich so viel leichter. Wenn du deine Rolle gut ausfüllst, zahlt sich das aus.  

Hat dieser lange Weg vielleicht etwas mit den Suchprofilen der Teams zu tun? Ist deine Vielseitigkeit nicht nur Segen, sondern auch ein Fluch?

Es ist tatsächlich ein bisschen von beidem. Wenn die Leute nur auf die Statistikbögen schauen, kann es ein Fluch sein. Aber die Teams, die in Europa gewinnen wollen, haben immer vier, fünf, sechs Spieler, die ein bisschen von allem machen und helfen zu gewinnen. Du hast deine Scorer, das ist das erste wofür Geld ausgegeben wird. Aber wenn du deine Topspieler hast, musst du die anderen Rollen ausfüllen. Du kannst nicht mit zwei Leuten spielen, du brauchst fünf! Das ist der Punkt, wo Vielseitigkeit hilft. Vielleicht brauchen sie einen Dreier, aber sie brauchen auch einen, der den Ball bringt. Dann schaut dieses Team vielleicht nach einem Spieler wie mir.

Unserer Meinung nach müssten sie dir mindestens zwei Gehälter zahlen. Das Gehalt des zweiten Point Guards müsstest du eigentlich zusätzlich bekommen. Co-Trainer bist du auch noch….

(lacht) Das wäre großartig! Großartig! Macht, dass die Fans das auch sagen!

Was glaubst du, was wir seit zwei Jahren schreiben? (heftiges allgemeines Gelächter)

Ja, danke. Sehr gut. Ich liebe das!

Wünscht du dir manchmal, du könntest 1-2 Sachen überragend gut, statt sehr viele Sachen gut? Wäre die Karriere dann einfacher gewesen? Wärst du z.B. gerne ein Dreipunkte-Spezialist?

Yeah! Das wäre cool, aber es ist nicht so gekommen. Es ist leicht zurückzublicken und zu sagen, ich hätte dies oder jenes tun sollen. Es ist so gekommen, wie es kommen sollte. Ich bereue nichts. Es hat mir immer Spaß gemacht und ich hatte immer gute Leute um mich. Wenn ich vielleicht nur eine Sache gut könnte und in der NBA spielen würde, wäre ich nicht an dem Punkt, wo ich jetzt bin und hätte noch nicht soviel von der Welt gesehen. Meine Vielseitigkeit hat mir also geholfen. Ich liebe es zu reisen und in der Welt herum zukommen.

(c) Sabine Klar2014 -3035Man sagt im Basketball oft, dass ein Spieler hart arbeitet und die vielen kleinen Dinge macht, die nicht alle im Statistikbogen auftauchen. Kannst du uns erklären, was damit gemein ist?

An der richtigen Stelle in der Defense stehen, bedeutet z.B. hinter meinem Point Guard zu sein, wenn er geschlagen wird und auszuhelfen. Wenn ich den Ball stoppe, können die nicht scoren. Das sieht man nicht in der Statistik. Das ist kein Steal, kein Blockshot, aber ich war da um meinem Teamkollegen zu helfen. Solche Sachen… Einen Pass zu spielen zu der Person, die den nächsten Pass macht, zu dem ganz offenen Wurf. Nur der letzte Passgeber bekommt den Assist, aber wenn du nicht selbstlos bist und drei oder vier Spielzüge im Voraus denkst, funktioniert das Spiel nicht. Was geschieht als nächstes, wenn ich dieses oder jenes tue? Wenn ich auf der Position angekommen bin, was passiert dann usw.. Diese Sachen sieht der Fan, der nur auf die Statistik schaut, nicht.

Basketball ist wie Schach?

Genau. Gute Spieler denken immer mehrere Spielzüge im Voraus.

Ist diese Antizipationsfähigkeit etwas, was du mit der Zeit lernst oder hattest du diese Fähigkeit von Anfang an?

Es war schon immer meine Fähigkeit Dinge zu sehen, bevor sie auf dem Basketballfeld passieren. Ich habe ein gutes Gefühl dafür, was meine Mitspieler als nächstes tun, natürlich besonders wenn ich sie lange kenne. Ich bin jetzt das zweite Jahr in Göttingen. Khalid ist neu dazugekommen, aber ich kenne seine Spielweise schon seit langer Zeit… (Am Nachbartisch scheppert es laut. Einer Dame ist ein Glas herunter gefallen…) Hey! Ich wusste, dass das passieren würde! (Lautes Gelächter; die Dame fragt, warum er das dann nicht vorher gesagt habe.)

Basketball ist ein Spiel von Aktion und Reaktion. Jede Handlung hat Konsequenzen. Wenn du das Richtige machst, kommt immer etwas Gutes dabei heraus. Es ist ein spezielles Talent, aber wenn du älter und erfahrener bist, läuft das Spiel vor dir langsamer ab und es wird leichter die Dinge zu sehen. Point Guards wie Khalid haben “court vision”. Sie sehen den richtigen Pass, weil sie auf dem Feld alle möglichen Situationen schon so oft erlebt haben. Es gibt aus einer Situation heraus so viele mögliche Ergebnisse und diese Spieler wählen in den allermeisten Fällen die Lösung mit dem besten Ergebnis.

Wir haben mit Acha Njei über gute Defense gesprochen. Er sagte uns, dass Wille und Vorbereitung das Wichtigste sind. Du bist der beste Verteidiger der BG. Du inspirierst das Team mit deiner Intensität, setzt den Ton und verteidigst meist den besten Offensivspieler. Du verteidigst einen Power Forward, Minuten später einen Guard. Wie zum Teufel machst du das?

David Godbold: Es geht darum alles zu versuchen. Wenn du es versuchst, kommt Gutes dabei heraus. Wenn du Angst hast Fehler zu machen, wirst du scheitern. Egal wie groß jemand ist, jeder muss in diesem Sport das gleiche machen: dribbeln, passen, werfen. Nichts anderes, egal wie groß du bist. Du musst deinen Gegner im Auge behalten. Er muss an mir vorbei zum Korb. Es gibt keinen anderen Weg für ihn. Vielleicht ist er kräftiger und es gelingt mir nicht immer ihn zu stoppen, aber ich darf keine Angst haben Fehler zu machen.

David Godbold positioniert sich gegen Sven Schultze.Wir erinnern uns an eine Situation in München, als du 8 Sekunden vor der Halbzeit den Pass antizipiert, den Ball geklaut und den Dreier eingenetzt hast.

Da gab es nur zwei Sachen, die sie machen konnten. Ich konnte den einen oder den anderen Pass wegnehmen. Es gab in der Situation nichts anderes, was sie tun konnten ohne ins Aus zu rennen.

Denkst du in diesen Situationen nach oder erkennst du das automatisch?

Es hat viel mit Automatismen zu tun. Du kannst nicht alles im Training lernen, das Spiel ist das Spiel, aber jedes Team hat seine Systeme. Das bedeutet, dass Situationen oft die gleichen Ausgänge haben. Es wird z.B. an einer Stelle ein Block gesetzt und danach kommt immer ein Abrollen. Als Verteidiger musst du realisieren, in welcher Situation du dich befindest, dann weißt du was als nächstes passieren wird und kannst entsprechend reagieren.

Khalid hat in einem Interview gesagt, dass ihn auf dem Feld nichts mehr überraschen kann.

Ich stimme dem für mich zu. Jemand kann schneller sein als du. Das ist nur normal. Aber es geht immer um dribbeln, passen und werfen und je länger du das Spiel spielst, desto weniger kann dich überraschen. Ich habe wirklich schon alles gesehen.

Du hast mittlerweile 33 Bälle geklaut, 1,7 Steals im Schnitt. Das ist aktuell der viertbeste Wert in der Liga. Worauf kommt es an?

Ehrlich gesagt versuche ich Erster zu werden! Schreibt das unbedingt! Das ist mein Ziel für diese Saison! Da der bestplatzierte Spieler (Trevon Hughes) nicht mehr in Deutschland spielt, sehe ich gute Chancen für mich. Sie müssen ihn endlich bei Eurobasket raus nehmen, dann würde ich mich viel besser fühlen!

Beim Bälle klauen musst du gut vorbereitet sein. Es hilft sehr, wenn die anderen vier Spieler auch gut verteidigen. Die Gegner stehen dann beim Passen mehr unter Druck. Manchmal musst du aktiv auf den Steal gehen, manchmal musst du nur da sein und es geschieht von allein. Hier spielen wir eine so gute Defense, auf der Point Guard Position oder Ray im Post, wir nehmen die gute Sicht weg und zwingen den Gegner einen blinden Pass zu spielen. Alle müssen zusammen daran arbeiten, den Gegner zu den Sachen zu zwingen, die wir wollen. Alleine kannst du kaum Steals bekommen. Die guten Teams bauen Druck auf und nehmen dir z.B. den einfachen Weg in die Zone weg oder die Pick & Roll-Situationen. Wir versuchen das auch. Ich versuche in die richtige Position zu kommen, um den nächsten Pass wegzunehmen. Manchmal führt das zu einem Steal, manchmal dazu, dass die Wurfuhr abläuft.

Das ist ein weiteres Beispiel für eine Aktion, die keinen Eingang in die Statistik findet. 

(lacht) Ja! Ich will jeden Steal. Das ist ärgerlich! Nein, was zählt ist der Ballgewinn. Vielleicht bekomme ich den Steal beim nächsten Mal. Aber ich will Erster werden! Ich würde das wirklich gern!

David Godbold hat ihn!

David Godbold hat ihn!

Wir möchten anmerken, dass du trotz dieses Ziels nie in Foulprobleme kommst.

Ja, das ist ganz wichtig. Viele meinen, wenn man viel auf den Steal geht, führe das zu vielen Fouls, weil sie denken, es gehe darum den Gegner zu attackieren. Es geht darum die Passwege zu attackieren und zu sehen was die anderen Spieler machen. Versuche nie etwas zu forcieren.

Es ist wie unter einem Apfelbaum zu stehen und zu schauen, wann die Äpfel fallen. Du musst sie nicht abpflücken.

Genau! Du weißt, dass sie fallen, weil die Schwerkraft sie herrunter zieht. Noch eine Bemerkung: Jamal (Boykin) hatte im letzten Spiel sechs Steals. Ich finde drei davon waren meine. Er hat meine Steals gestohlen! (lacht)

Du spielst selbstlos. Alle Amerikaner die wir kennen, wollen vorne ihre Würfe haben. Du nicht?

Es geht darum, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Wenn ich drei oder fünf Minuten spiele und nur hart verteidige und dabei keinen Wurf nehme, ist das auch gut. Vielleicht ergibt sich später eine Möglichkeit zu scoren. Du musst bereit sein und auf deine Chance warten. Versuche nicht etwas zu erzwingen, denn da kommt nichts Gutes bei heraus. Lass es zu dir kommen. Manchmal hast du vielleicht nur einen Wurf im ersten Viertel. Manchmal bist du eben nicht dran. So ist das im Basketball. Viele junge Spieler verstehen das jetzt noch nicht.

Du gehörst zu der seltenen Spezies der Crunchtime-Player. Auf YouTube kann man Buzzerbeater aus deiner College Zeit bewundern. Du hast es in der letzten Saison getan, z.B. beim Heimsieg gegen Gotha, du tust es diese Saison wieder: Du blockst einen letzten Dreierversuch in Crailsheim, machst in Braunschweig in den letzten 90 Sekunden 6 Punkte und einen Steal… Wir denken da an berühmte NBA Spieler: Reggie Miller, Robert Horry, Dirk Nowitzki, MJ natürlich. Dont crack under pressure…. Was unterscheidet diese Spieler von anderen?

 

Selbstbewusstsein! Die Jungs, die ihr gerade genannt habt, hatten alle jede Menge Selbstbewusstsein. Fürchte dich nicht zu versagen. Es bringt nichts, dir zu sagen, wenn ich jetzt vorbei werfe, sind alle sauer auf mich. Du hast lange genug trainiert, oft genug geworfen oder Turnaround pull-ups genommen oder wie Reggie Miller Dreier aus der Drehung. Glaub an dich, dann triffst du auch und wenn nicht, hey du hast eine neue Chance beim nächsten Spiel. Denk nur kurzfristig. Fürchte dich nicht, vorbei zu werfen, das nimmt dir in dieser Situation den Druck

Kann man das lernen oder ist es eine Frage des Charakters?

Nein, das ist schwer zu erlernen. Wenn du klein bist und einer deiner Freunde einen Wurf daneben setzt, bist du der Erste der ihm sagt, das macht doch nichts. Aber in seinem Kopf denkt er: Er ärgert sich so über dich, jetzt werfe ich lieber nicht mehr. Wenn er aber weiß: Mein Freund wird für mich da sein, egal ob ich treffe oder nicht, dann wird er selbstbewusst sein. Das ist etwas mit dem du aufwachsen musst, das kann dir kein Coach beibringen. Du selbst sagst dir: Ich glaube an mich, weil ich weiß: Ich habe das geübt, ich habe dafür gearbeitet, ich habe das alles schon oft gemacht. Lass uns rausgehen und sehen was passiert. Wenn ich vorbei werfe: Hey, alle werden traurig sein. Aber wenn du diesen einen Kumpel hast, der sagt: „Hey, du hast alles versucht“, daraus erwächst Selbstvertrauen.

Basketballphilosophie ….

Sicher ist es das − eines Tages werde ich ein Coach sein.

Das bringt uns zur nächsten Frage …

Ich kann Deutsch lesen, wusstet ihr das nicht?? (lacht)

Du bist Kapitän und Co-Trainer. Kannst du uns beschreiben, was du genau tust und wie deine Stellung zwischen Team und Coach ist?

Ich bin kein Assistant Coach, dafür werde ich (noch) nicht bezahlt …. Ein Coach muss sehr genau und sicher auftreten. Er muss sicher gehen, dass alles so abläuft, wie er sich das vorstellt. Wenn wir ein bestimmtes System spielen sollen und der Coach es auch perfekt aufzeichnet, verstehen die Spieler vielleicht nicht wie es genau gemeint ist. Die Aufgabe des Kapitäns oder Assistenten ist es, diese Barriere zwischen Coach und Spielern zu überbrücken und so dafür zu sorgen, dass alles was der Coach sagt auch so bei den Spielern ankommt. Es geht darum, die Vorstellungen des Trainers aufzunehmen und sie für die Teamkollegen zu übersetzen. Wenn ein Spieler meint, er müsste hier oder da einen Block gestellt bekommen, dann ist es meine Aufgabe zum Coach zu gehen und ihm zu sagen: „Hey, wie denkst du darüber?“ So in etwa könnte man meine Aufgabe im Team als Kapitän und als … Assistant Coach ohne Bezahlung (räuspert sich vernehmbar!) … beschreiben.

Wie gehst du mit der sehr besonderen Art von Humor unseres Trainers um? Musst du da auch übersetzen?

Oooh ja! Ich kenne seinen Humor schon seit unserer letzten gemeinsamen Station. Ich verstehe seine Jokes besser als er glaubt, dass ich sie verstehe. Manchmal verstehe ich sie besser als die anderen Jungs, eben weil ich schon Erfahrungen damit habe. Ich kenne seine Mentalität, ich verstehe was er sagt, auch wenn er Witze macht.

Trotz vieler Schwierigkeiten mit Verletzungen ist die Hinrunde ein Riesenerfolg geworden. Auch viele auswärtige Basketballfans sagen, dass Göttingen das Team mit dem größten Herz ist und attraktiv spielt. Wie ist dein Resumé und wie ist dein Ausblick?

Es war wichtig, dass trotz der Verletzungen alle ihr Bestes gegeben haben und sich zeigen mussten. So konnten wir besser sehen, wer was kann oder vielleicht auch nicht kann. Das hat uns geholfen die Stärken und Schwächen aller Spieler besser einzuschätzen. Einige haben vielleicht Schwierigkeiten in einigen Spielsituationen, das wissen wir jetzt. Wenn jeder schon zu Beginn bei 100 % gewesen wäre, wüssten wir das wahrscheinlich noch nicht. Das hat zwei Seiten. Du willst jedes Spiel gewinnen, aber manchmal musst du ein paar verlieren, um zu sehen wie das Team am besten funktioniert. Wir haben aus der Niederlage in Bamberg viel gelernt.

Da haben wir bisher immer verloren!

Bamberg ist ein sehr gutes Team. Es kommt darauf an, von den besseren Teams wie Bamberg, Berlin, oder München zu lernen und mit 100 % Einstellung raus zu gehen. Das ist das, was wir für die Rückrunde beherzigen müssen! Wir müssen nach Rückständen schneller zurückkommen, nach ein paar schlechten Abschlüssen nicht mit zehn Punkten zurückliegen, sondern gleich reagieren, wenn etwas schief läuft.

Wie geht es dir so fern der Heimat, wenn du keinen Basketball spielst?

Über die Weihnachtstage war ich mit meiner Familie in Berlin. Leider war es kalt und verregnet. Bei besserem Wetter hätte das noch mehr Spaß gemacht. Ich habe Museen und verschiedene Sehenswürdigkeiten besucht. War gut mal raus zu kommen und nicht zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und an Training zu denken, einfach mal zu entspannen und es zu genießen in Europa zu sein. Außerdem war ich mit meiner Familie zusammen.

Harper Kamp hat in unserem Interview über Deutschland geschwärmt und will trotz des schlechten Wetters gar nicht mehr weg.

Oh ja, hier kannst du eine Menge sehen, auch wenn es im Winter kalt ist. Trotzdem hast du Sehenswürdigkeiten und Museen, die du sonst vielleicht nicht sehen würdet oder du müsstest tausende von Dollar ausgeben. Du kannst einfach nach Berlin oder München fahren.

Noch ein Job: Vorsänger!

Noch ein Job: Vorsänger!

Was hast du in Berlin gesehen?

Ich war oben auf der Siegessäule, das DDR-Museum haben wir gesehen, den großen Dom, Brandenburger Tor und Umgebung − das war wirklich schön. Und auch die historische Seite. Als die Mauer gefallen ist, war ich gerade vier Jahre alt und nun habe ich die Chance das zu sehen und mir vorzustellen, wie die Leute das hier damals erlebt haben.

Wie verbringst du generell deine freie Zeit? Was ist dir abseits vom Basketball wichtig?

Wenn ich nicht Basketball spiele und auf Reisen bin, will ich vieles sehen, aber wenn ich zu Hause bin, bin ich ein ausgesprochener Stubenhocker. Dann schaue ich Fernsehen oder spiele Videogames, den ganzen Tag, jeden Tag, da wird mir nie langweilig.

Wir haben immer zwei obligatorische Schlussfragen. Erstens fragen wir immer nach unserem vorigen Interviewpartner: Was kannst du uns zu Acha Njei sagen, als Mensch und als Spieler?

….ahhh, Onkel Ach, so heisst er, Onkel Ach! Als ich ihn zum ersten Mal traf, war er sehr ruhig und ich habe mir überlegt, wie komme ich an ihn ran, wie muss ich ihn ansprechen. Als wir dann öfter gereist sind, hat sich das gelockert und wir haben einen guten Draht zueinander gefunden. Da habe ich gemerkt, obwohl er auch nicht älter ist als ich, dass er sehr reif ist, deswegen nenne ich ihn “Onkel Ach”. Er kennt sich wirklich aus. Er kennt das Spiel und die Liga seit Langem. Deswegen hat das, was er zum Spiel und auf dem Court sagt, große Bedeutung. Ich lege großen Wert auf seinen Rat. Als Person ist er sehr lustig. Zu Anfang kommt dir das gar nicht so vor, aber er erzählt wirklich lustige Sachen. Im Bus sitzt er in der Reihe vor mir und ich kriege es mit, wenn er mit den deutschen Jungs scherzt oder auf Englisch mit den Amis. Ich mag es, wenn jemand auf der einen Seite reif und ernsthaft, auf der anderen Seite aber auch locker und lustig sein kann, das mag ich an ihm persönlich.

Dann werden er und Dominik letzte Woche auf dem Rückweg aus Oldenburg besonders fröhlich gewesen sein, oder…

Oh ja, dass waren sie !

Schlussfrage. Wie ist es mit Khalid El-Amin zu spielen? So eine Konkurrenz auf der Eins hattest du noch nie, oder?

Ich habe mit einer ganzen Menge guter Point Guards gespielt. Er ist sicher einer der ganz guten. Er hat überall gespielt. Ich sehe den Antrieb, den er immer noch hat, im Kraftraum und im Training. Er beweist, dass er es immer noch drauf hat. Er ist zwar in einem höheren Alter, aber er will es immer noch allen zeigen. Er ist immer noch hungrig. Es macht großen Spaß mit ihm zu spielen. Sicher, er ist anspruchsvoll … aber nicht übertrieben. Was ich meine ist − ich habe in dem Sommer mit Russell Westbrook und Kevin Durant gespielt, als sie frisch nach Oklahoma gekommen waren. Sie waren auch anspruchsvoll, aber sie hatten damals mit 21 nicht diese Erfahrung. Wenn die älter werden und so viel Erfahrungen sammeln, sind sie nicht zu stoppen. Diesen Elan jeden Tag zu sehen! Er macht Späße mit dir, dann schießt er dir ins Gesicht und dann fragt er dich: „Hey, wie war’s gestern Abend?“ Das ist wirklich toll, jemand, der seinen Job ernst nimmt, aber trotzdem zu Späßen aufgelegt ist. Er ist nicht so einer, der dir das Gefühl gibt: „Hey ich bin älter, ich habe überall gespielt, sprich mich nicht an.“ Ganz im Gegenteil, er sagt dir: „Sprich mich ruhig an, lass uns das Ding schaukeln.“

Man kann also eine Menge von ihm lernen …

Sicher kann ich das, aber ich kann ihm auch etwas beibringen: Er glaubt immer noch, er kann jeden auf dem Court schlagen, aber mich kann er nicht schlagen!

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

It was fun!