Zu viel Spielzeit am Ende der Kraft!

15.10.2014 Ein Fazit nach den ersten Spielen...

Der Artikel - jetzt auch hier auf der Veilchen-Power e.V. Internetseite zum Lesen. (Quelle: http://courtreview.de)

Zu viel Spielzeit am Ende der Kraft

BG Göttingen Team

Zwei Jahre Pause und dann gleich vier Spiele in 11 Tagen. Mit einem Sieg steht die BG Göttingen auf Rang 15. Ein Rang, über den man auch am Ende nicht unglücklich wäre. Alles in allem jedoch ein schwieriger Saisonstart – Zeit für ein Zwischenfazit.


@ Alba Berlin L 110:74

vs Artland Dragons L 70:83

@ Crailsheim Merlins W 80:84

vs TBB Trier L 73:87

Göttingen trat dabei zuletzt dreimal mit der folgenden ersten Fünf an: El-Amin, Clark, Spohr, Godbold, Kamp (Am ersten Spieltag startete Morgan statt Spohr).

Verletztenmisere

Nach der verkorksten Vorbereitung mit vielen Verletzten war klar, dass der Saisonstart sehr schwierig werden würde. Alex Ruoff und Dominik Bahiense de Mello haben aktuell noch kein Spiel bestreiten können. Raymar Morgan wurde erst unmittelbar zum Saisonstart fit und kann folglich noch nicht bei 100% sein, zumal er in der Vorsaison aufgrund einer Verletzung komplett aussetzen musste. Als Reaktion auf die Verletzungen wurde mit Acha Njei doch noch ein vierter deutscher Profi verpflichtet, so dass die BG über 10 Profis verfügt. Aktuell ist Jason Clark mit seinem 8-Wochen Vertrag bis Ende des Monats sogar der 11. Profi. Er vertritt den verletzten Ruoff, der in Kürze wieder in das Spielgeschehen eingreifen soll. Demnächst soll auch Bahiense de Mello zurückkehren.

Lange Rede, jetzt der Sinn:

Das bisherige Abschneiden muss als Erfolg gesehen werden. In Berlin absolvierte die BG quasi ein weiteres Testspiel und für die Albatrosse war man nur ein Opfer, kein Gegner. Im ersten Heimspiel gegen ein Team, welches um das Heimrecht in der ersten Playoffrunde kämpft, konnte Göttingen über weite Strecken überzeugen, agierte auf Augenhöhe und begeisterte das Publikum. Erst im Schlussviertel gelang es den Artland Dragons, den Aufsteiger zu distanzieren. Nach dieser Kür folgte die Pflicht. Mit Mitaufsteiger Crailsheim und Trier sah man sich zwei Teams gegenüber, von denen allgemein vermutet wird, dass sie auch um den Klassenerhalt kämpfen werden müssen. In Crailsheim kam die BG auch folgerichtig zu ihrem ersten Saisonsieg, zu Hause gegen Trier reichte es am Sonntag jedoch erneut nicht. In einem deprimierendem Schlussviertel (8:21) ging der BG die Kraft aus. Göttingen fiel völlig auseinander. Coach Roijakkers hat zwei Tage Regeneration verordnet.

Vier der Göttinger Starter (El-Amin, Clark, Godbold, Kamp) spielen meistens mehr als 30 Minuten, zum Teil sogar über 35 Minuten pro Spiel. Da ist dann am Ende der Kraft noch zu viel Spielzeit übrig. Entlastung wird dringend benötigt. Die kleine Rotation und die problematische Vorbereitung spiegeln sich auch in den Statistiken wieder. Während die Reboundarbeit (vom Berlinspiel abgesehen immer ausgeglichen oder gewonnen) und die Feldwurfquote (47%; Platz 6), mehr als passabel sind, ist Göttingen mit fast 18 Ballverlusten pro Spiel in dieser Wertung Letzter. Es scheint kein Zufall zu sein, dass das zweituneffektivste Team der Liga (Schnitt Gesamteffektivität 72) bisher lediglich das nur unwesentlich effektivere Crailsheim (Schnitt 74) schlagen konnte. Der Pro A Meister musste schmerzhaft lernen, dass anders als in der Vorsaison Fehler gnadenlos bestraft werden. Wer vorne den Ball wegwirft, bekommt postwendend selber eingeschenkt. Herzlich Willkommen in der BBL…

Fragen und Antworten

1. Wie schlagen sich die letztjährigen ProA Amerikaner in der BBL?

2. Zahlen sich die Risikotransfers El-Amin und Morgan aus?

3. Wie stark sind die Deutschen?

4. Was machen die Verletzten?

zu 1: Der MVP der Pro A, Center Harper Kamp ist in der Liga angekommen. 14,3 Punkte bei einer Feldwurfquote von fast 55% und im Schnitt fünf Rebounds und drei Assists lassen keine Fragen offen. David Godbold tut sich dagegen, wie erwartet, deutlich schwerer. Er hat als Kapitän und Co-Trainer eine andere Rolle im Team und macht die vielen kleinen Dinge. Er bringt als Point-Forward den Ball und hat mit seinem spektakulären Block des letzten Crailsheimer Dreierversuchs fünf Sekunden vor Schluss wieder einmal einen Sieg sichergestellt. Seine Wurfquote, speziell von der Dreierlinie ist ausbaufähig (3 von 13).

zu 2: Ja! Ja! Ja! Alle Göttinger Fans haben sich zu Hause einen Altar eingerichtet vor dem sie regelmäßig niederknien und Khalid El-Amin anbeten. Zahlen wie 13,5 Punkte und fast sieben Assists im Schnitt mögen ganz nett sein, können das Genie von El-Amin aber nicht annähernd wiedergeben. Man muss ihn sehen! Seine Dreier, sein Zug zum Korb, seine Unterhandkorbleger und vor allem seine unfassbaren Zuspiele. Crailsheim: noch 3.20 zu spielen, El-Amin holt sich den eigenen Offensivrebound auf Höhe der Freiwurflinie, dreht sich in Bedrängnis um die eigene Achse und passt den Ball hinterm Rücken zum freistehendem Kamp unter den Korb… Selbst die Schiedsrichter sind von diesem Gemälde so geflasht, dass sie die Shotclockviolation übersehen. El-Amin on fire gibt es ab Minute 1:15

Hier gehts zu dem Video der Beko Basketball Bundesliga (bei Youtube)

Eine mehr als ordentliche Leistung liefert Raymar Morgan ab. 11 Punkte und 4,5 Rebounds in 16 Minuten sind in Anbetracht seiner Vorgeschichte (letzte Saison komplett ausgesetzt, komplette Vorbereitung nach Bänderriss verpasst) beachtlich und wecken Erwartungen auf mehr. Morgan ist der mit Abstand beste Athlet im Team.

Jamal Boykin war kein Risikotransfer, muss aber auch irgendwo abgehandelt werden. Er macht in knapp 18 Minuten Spielzeit 8,5 Punkte mit einer Quote von 60% und holt 3,8 Rebounds. Er wurde bisher besonders als effektiver Abstauber am offensiven Brett auffällig. Gut eingesetzt agiert er in unmittelbarer Korbnähe ruhig und abgeklärt. Defensiv hat er noch Spielraum.

zu 3:
Dominik Spohr spielt ebenfalls mehr als solide, verbucht 7,3 Punkte und 3 Rebounds in 18 Minuten und traf 6 seiner 12 Dreier. Dass Acha Njei ähnlich stark ist und genau so viele Minuten spielt, ist eine Überraschung. Nachdem er in der Vorbereitung als Trainingsspieler ohne Bezahlung über Kurzeinsätze nicht hinauskam und keine Akzente setzen konnte, hat er sich mittlerweile einen festen Vertrag und durchschnittlich fast 18 Minuten Einsatzzeit erkämpft. Njei spielt mit viel Selbstvertrauen, macht wenige Fehler und verteidigt gut. Gegen Artland machte er zusätzlich noch sieben Punkte. Negativüberraschung ist leider Robert Kulawick: seine Einsatzzeit ist in 11 Tagen von 27 Minuten in Berlin auf 2:20 gegen Trier gesunken. Besonders defensiv steht der eigentlich als Defensivexperte bekannte Heimkehrer völlig neben sich. Er wird sich wieder heran kämpfen müssen.

zu 4:
Alex Ruoff wurde nach seiner Meniskus-OP zu Beginn der Vorbereitung bewusst geschont und soll am Wochenende in München sein Comeback feiern. Dominik Bahiense de Mello berichtete in einem Interview in der Pause des Spiels in Crailsheim, dass er eine gute Diagnose erhalten habe. Sein Comeback ist absehbar, wird aber wohl noch etwas dauern.

Der 8-Wochen-Vertrag des als Ersatz verpflichteten Jason Clark läuft Ende des Monats aus und soll nach Aussage von GF Frank Meinertshagen in der heimischen Presse nicht verlängert werden. Manche bedauern das, weil Clark mit 18 Punkten maßgeblich Anteil am einzigen Sieg hatte und durchschnittlich 11 für Punkte gut war. Andere sind froh, weil er für seine 16 Korbtreffer 47 Würfe brauchte, was einer Quote von 34% entspricht. Seine Wurfauswahl wirft Fragen auf.