Klasse halten ohne Stars

19.09.2015

Der Artikel - jetzt auch hier auf der Veilchen-Power e.V. Internetseite zum Lesen. (Quelle: http://basketball.de/bbl/klasse-halten-ohne-stars)

19.09.2015 || 10:07 Uhr von:
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Dank der Big Three El-Amin, Morgan und Ruoff kämpfte die BG in der vorigen Saison um die Playoffs. Ohne diese Stars wird es nicht möglich sein, diesen Erfolg zu wiederholen.

Im September 2014 betrat Khalid El-Amin Göttinger Boden. Was danach geschah, ist Geschichte, und verleitete Coach Johan Roijakkers (Vice-Coach of the year) zu der Forderung, Khalids Trikot unter die Hallendecke zu hängen. Durch weitere riskante Spielerverpflichtungen war es Roijakkers gelungen, einen Kader zusammenzustellen, der um ein vielfaches stärker war, als mit den bescheidenen finanziellen Mitteln eigentlich möglich war. Die Göttinger Spieler hatten alle auf ihre Art etwas zu beweisen. Sie wollten aus der ProA kommend den Durchbruch schaffen oder nach schweren Verletzungen oder sportlichen Talfahrten wieder ihr altes hohes Niveau erreichen.

Am letzten Spieltag kämpfte die BG zu Hause gegen Ludwigsburg um die Playoffs. Am Ende reichte es nicht, und Göttingen schloss die Saison als Aufsteiger mit 16 Siegen und 18 Niederlagen als Zehnter ab. Spieler und Trainer wurden frenetisch gefeiert. Die Halle war in der Rückrunde nahezu ausverkauft.

Die Offseason der BG Göttingen

„Wenn man einen guten Job macht, verliert man die Topspieler, weil wir die nicht mehr bezahlen können. So ist das Geschäft! Wenn wir all diese Spieler dieses Jahr behalten könnten, hätten wir was falsch gemacht.“ (Johan Roijakkers)

Johan Roijakkers konstatierte im Sommerinterview weiter, dass es eigentlich unmöglich sei, „noch einmal so viele Spieler unter ihrem Marktwert zu bekommen“. Wie also die Abgänge der großen Drei, Khalid El-Amin, Raymar Morgan und Alex Ruoff, ersetzen? Er wolle gar nicht soviel Risiko gehen, aber er müsse das, denn sonst steige Göttingen ab.

Das erste Zeichen setzte Coach Johan Roijakkers Anfang Juli selbst. Er verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Geschäftsführer Frank Meinertshagen eröffnete die eigens einberufene Pressekonferenz mit den stolzen Worten: „Der sportliche Erfolg ist für die nächsten drei Jahre gesichert.“ Der Vertrag gilt ausdrücklich auch für die ProA. Die BG legt Wert auf ein nachhaltiges Arbeiten, in dem die Nachwuchsförderung eine große Rolle spielt. Hierzu passt auch der beschlossene Bau eines neuen Trainingszentrums. Die gute Entwicklung des Umfeldes wird zu Johan Roijakkers‘ Entscheidung, sich langfristig zu binden, maßgeblich beigetragen haben.

Der neue Kader

Malte Schwarz„Die Deutschen und die Amerikaner muss man bei der Rekrutierung trennen. Wir hätten auf den deutschen Positionen gerne wieder Veteranen gewählt, aber es sind keine da. Dann wollte ich Spieler haben, die zuletzt viele Minuten gespielt haben. Malte Schwarz hat in den letzten Jahren immer 15 bis 20 Minuten gespielt. Mathis Mönninghoff ist jung, aber er hat im letzten Jahr 25 Minuten im Schnitt gespielt. Das war wichtig für mich. Ich will bei den Deutschen nicht so viele Risiken eingehen. Es sieht ein wenig aus wie im letzten Jahr, aber da hatten wir nur drei deutsche Profis, weil wir nicht mehr Geld hatten. Dieses Jahr haben wir fünf deutsche Profis. Das ist ein riesiger Schritt für uns. Dann möchte ich, dass meine Deutschen Würfe treffen können, dass man sie nicht offen lassen kann. Meine Amerikaner müssen kreieren und meine Deutschen müssen Schützen sein. Wenn ich sage, wir sind besser aufgestellt, soll das gegenüber den letztjährigen Profis nicht respektlos sein. Wir sind jetzt anders. Wir haben jetzt weniger Defense und weniger Erfahrung, aber mehr offensive Feuerkraft.“ (Johan Roijakkers)

Die Deutschen

Von den letztjährigen fünf Deutschen wurden drei gehalten. Guard Dominik Bahiense de Mello gab im Sommer überraschend das Ende seiner Karriere bekannt. Acha Njei erhielt kein neues Angebot. Dominik Spohr hatte einen mehrjährigen Vertrag und läuft auch 2015/16 für die Veilchen auf. Mit Robert Kulawick wurde der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Nachwuchstalent Andrew Onwuegbuzie unterschrieb seinen ersten Profivertrag. Er war bereits in der vergangenen Saison zu einigen gar nicht so kurzen Einsätzen gekommen und hat mit seinen selbstbewussten Dreiern für großes Aufsehen gesorgt. Neu im Team sind die oben genannten Malte Schwarz (vom MBC) und Mathis Mönninghoff (aus Trier). Während Mönninghoff bisher aufgrund einer Verletzung kein Spiel bestreiten konnte, beeindruckte Schwarz mit Topleistungen.

Komplettiert wird der Kader durch die Nachwuchsspieler Nick Boakye, Philipp Hadenfeldt, Danny Borchers und Jan Mügge.

Die Amerikaner

Jede Position doppelt mit einem Deutschen und einem Amerikaner zu besetzen, war auch in diesem Jahr für die BG nicht möglich. Im Kader ist weder ein deutscher Center, noch ein deutscher Point Guard, mit Malte Schwarz allenfalls ein Combo-Guard. Für Coach Roijakkers „sind die Positionen Eins, Zwei und Drei das Gleiche. Wenn der Ball abgegeben ist und alle Spieler sich bewegen, sind alle gleich und sollen das tun, worin sie gut sind. Ich sehe da dann keinen Unterschied mehr.“ Benötigt werden daher nur ballsichere „Push-Guards“, die den Ball in des Gegners Hälfte bringen.

Eine mögliche Lösung liegt darin, sehr vielseitige Spieler zu rekrutieren. Ein anderer Name für Vielseitigkeit? David Godbold! Nichts lag näher, als in einer ersten Amtshandlung der neuen Saison noch in der Nacht des letzten Spiels die Vertragsverlängerung mit dem beliebten Teamkapitän zu verkünden. Godbold geht in Göttingen in sein drittes Jahr und war auch schon in der Slowakei für Coach Roijakkers aktiv. Sie seien wie ein altes Ehepaar, bemerkte Letzterer lakonisch. Godbold wird als Bindeglied zwischen Coach und Mannschaft wieder von entscheidender Bedeutung sein.

Die restlichen fünf Positionen mussten oder sollten neu besetzt werden, dachte man zumindest, bis Harper Kamps Vertrag in Ludwigsburg aufgelöst wurde und der beste Spieler der Aufstiegssaison überraschend und kurzfristig nach Göttingen zurückkehrte.

04.09.2015 Testspiel BG Göttingen - Hamburg TowersIm Spielaufbau wird mit dem 33-jährigen Ricky Minard erneut auf Erfahrung gesetzt. Minard ersetzte kurzfristig Marcus Hatten, der den Medizincheck nicht bestand. Minard passt in das bewährte Raster. Wie im Vorjahr El-Amin und Morgan, hat Minard bereits auf einem sehr hohen Level gespielt, benötigt nun aber eine neue Chance, um an alte Stärken anzuknüpfen. Minard kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere in den besten Ligen Europas zurückblicken, hat aber in der letzten Saison ausgesetzt, um für seine Kinder dazusein (verständlich, wenn man sich die Bilder der Süßen ansieht).

Die Position des zweiten US-Guards ist kurzfristig vakant geworden, da die BG und Armon Johnson sich im beiderseitigen Einvernehmen getrennt haben. Für die Positionen unter dem Korb muss die BG Göttingen wie gehabt auf große Flügelspieler zurückgreifen, weil laut Coach alles über über 2,04 Meter nicht finanzierbar sei.

Bevor Roijakkers für die Spielersichtung nach Las Vegas flog, sprach er über die Notwendigkeit von Kompromissen:

„Bei den Amerikanern suche ich bestimmte Spielertypen, aber mit unserem Budget bekomme ich nicht genau die, die ich will. Wenn da einer ist, bei dem ich dies und das nicht mag, aber er ist der talentierteste Spieler, den ich bekommen kann, dann muss ich ihn nehmen. Weil ich Talent brauche! Du brauchst genug Talent, um in der BBL zu bleiben.“

Shane Edward

Shane Edward

Möglicherweise passt diese Beschreibung auf den 2,01 Meter großen Flügel Shane Edwards. Der 28-jährige verbrachte die meiste Zeit seiner Karriere in der D-League, spielte aber auch schon in Italien, Schweden und Australien. Er bringt mit 100 kg eher wenig Masse mit, ist dafür aber vielseitig und kann laut Roijakkers sowohl innen, als auch außen spielen. In der schwedischen Liga erzielte er zuletzt im Schnitt 16,0 Punkte, 5,0 Rebounds und 1,4 Assists. In den bisherigen Vorbereitungsspielen bestätigte Edwards diesen guten Eindruck und war meistens die erste Offensivoption und Topscorer. Er glänzte mit einem sicheren Wurf von der Dreierlinie, dynamischem Zug zum Korb, hoher Durchsetzungskraft im Insidespiel und wirkte sehr beweglich. Man darf gespannt sein.

Komplettiert wird der (*hüstel*) Frontcourt durch Ruben Boykin (2,01m/ 102kg), der das Trikot seines jüngeren Bruders Jamal trägt. Ruben kommt aus Japan, Jamal wechselt dorthin. Kurios! Ausschlaggebend für den Tausch war wohl, dass Ruben schlechter malt und dafür besser verteidigt. Charakter, Arbeitsmoral und Dreipunktwurf sind offensichtlich gleich gut. Forward Nick Livas befindet sich als Trainingsspieler ebenfalls in Göttingen.

In Göttingen Spieler den Positionen zuzuordnen, ist aufgrund der speziellen Spielweise und Roijakkers‘ Vorliebe für vielseitige Spieler nur eingeschränkt möglich. David Godbold wird bis auf Center alles spielen. Auch alle anderen Spieler werden je nach Aufstellung zwischen mindestens zwei Positionen wechseln. Bei seinen Startern kennt Coach Roijakkers keine Verwandten. Verdienste und Namen zählen nicht. Wer das umsetzt, was er verlangt und in der Trainingswoche hart arbeitet, startet und/ oder bekommt Spielzeit. Wenn nicht, dann nicht…

 

PositionStarterBankBank
PG Ricky Minard (vakante US-Position) Andrew Onwuegbuzie
SG Malte Schwarz Robert Kulawick
SF David Godbold Mathis Mönninghoff
PF Shane Edwards Dominik Spohr
C Harper Kamp Ruben Boykin

Den kompletten Kader findet ihr natürlich auch in unserer Kaderübersicht.

Prognose für die Saison 2015/2016

Göttingen muss cleverer sein als die anderen, um mit einem kleinen Etat erfolgreich zu sein. Aber man kann nicht jedes Jahr einen Khalid El-Amin oder Raymar Morgan aufs Parkett zaubern. Der aktuelle Kader ist im Vergleich zur Vorsaison tiefer. und auf vielen Positionen ist ein Upgrade zu beobachten, weil die gehaltenen Spieler ein Jahr BBL-Erfahrung mehr haben oder die neuen Spieler besser sind. In der Spitze hat das Team jedoch deutlich weniger Talent. Allenfalls Edwards hat angedeutet, dass er ein neuer lila Star werden könnte.

Mit den Playoffs wird Göttingen diesmal nichts zu tun haben. Das Ziel ist der Klassenerhalt. Sollte dieses Ziel erneut schon einige Spieltage vor Saisonende erreicht werden, wäre dies ein Riesenerfolg. Es könnte aber auch eng werden. Viel wird davon abhängen, ob Coach Roijakkers noch ein Coup auf dem Transfermarkt gelingt und wie Minard sich entwickelt.

Beko BBL-Manager-Tipp

Bei der BG Göttingen ist Malte Schwarz für ein Gehalt von 0,30 Millionen Euro ein ganz heißer Tipp. In den Testspielen gehörte er regelmäßig zu den wichtigsten Spielern bei den Veilchen. In der kommenden Saison wird er anders als beim MBC wieder vermehrt als Spielmacher zum Einsatz kommen. Mit seinem gefährlichen Dreipunktwurf ist er stets in der Lage, in der Offensive Feuer zu fangen und hier und da hohe Scores hinzulegen. Außerdem ist Shane Edwards jeden Cent wert (0,76 Mio). Der Power Forward ist ein vielseitiger Scorer, der auch beim Rebound zupackt.


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